Hans Prünster wurde am 18. Juni 1907 am Mittereggerhof in Riffian geboren. Trotz der augenscheinlichen Begabung und der Freude des Buben am Zeichnen und Schnitzen ist – infolge des 1. Weltkrieges und der wirtschaftlichen Not - an eine künstlerische Ausbildung vorerst nicht zu denken. Erst nach Abschluß des Militärdienstes gelingt H.P. der Eintritt als Hospitant in die Bozner Gewerbeschule, was ihm, nach deren Abschluß, die Aufnahme an die Kunstgewerbeschule in München und später an die bayrische Akademie der bildenden Künste ermöglicht. In München erfährt H.P. eine äußerst gründliche und umfassende Schulung, die sein ganzes weiteres Schaffen entscheidend beeinflusst, und das, soweit ich es zu beurteilen vermag, von den beiden Begriffen „Gediegenheit und Vielseitigkeit“ gekennzeichnet ist. Denn schon gediegen ist die künstlerische Ausbildung, für die man ein solides handwerkliches Fundament voraussetzt und wo Anatomie, Perspektive, Bildaufbau und Farbkomposition noch von Grund auf gelehrt werden. Diese Ausbildung ist aber auch vielseitig und umfasst alle malerischen und grafischen Techniken, die H.P. zu beherrschen lernt und die er Zeit seines Lebens im reichen Spektrum seiner Arbeiten anzuwenden weiß. Dieses Rüstzeug hat das ganze weitere Schaffen des Künstlers so entscheidend geprägt, dass es konsequent und ohne Stilbruch verläuft und sich eigentlich von keinen Modeströmungen beeinflussen lässt. Dabei ist seine Bildsprache immer einfach und klar und – trotz der beachtlichen Qualität – für jedermann verständlich und daher beliebt und anerkannt. Wir finden eine breite Fülle von Beispielen angewandter Kunst: bescheidene Werke, wie Glückwunschkarten, Urkunden, Schriften, Plakate und dgl., die vorwiegend in den Jahren der wirtschaftlichen Not entstanden sind, und später, im Zuge des Wiederaufbaues und in den folgenden Jahren des Wohlstandes, dekorative und figurale Wandmalereien oder Glasfenster, alles in den verschiedensten Techniken, so dass sie an Vielfalt kaum zu überbieten sind. H.P.s Talent entfaltet sich schließlich vollends in seinen Tafelbildern. Bevorzugt wird, aus nahe liegenden Gründen, die heimische Landschaft, aber auch so manches Motiv aus fernen Ländern, wiederum in den verschiedensten Techniken, in denen die kreative Phantasie und die Ausdruckskraft des Künstlers voll zur Geltung kommen. Man würde H.P.s reichem Lebenswerk nicht gerecht werden, wenn man es nur aus der Warte seiner künstlerischen Leistungen betrachtet, ohne seine, weitgehend ehrenamtliche, Tätigkeit in verschiedenen kulturellen Gremien und für die öffentlichen Belange zu erwähnen. So ist er Gründungsmitglied des Südtiroler Künstlerbundes, der 1946 von den damals namhaftesten Künstlern unserer Heimat ins Leben gerufen wird und der von H.P. als Ausschussmitglied, als Präsident und Ehrenmitglied jahrzehntelang in entscheidender Weise mitgeprägt wird. 1954 entsteht im Rahmen des Südtiroler Künstlerbundes eine Kunstschule, die H.P. für dreieinhalb Jahrzehnte leitet und aus der eine ganze Reihe von Talenten hervorgeht, die heute in künstlerischen Berufen tätig sind. Jahrzehntelang tätig ist H.P. auch im Ausschuß des Bozner Heimatschutzvereins, im Vorstand des Bozner Museumsvereins und im Verwaltungsausschuss des Kulturinstitutes. Als Gründungsmitglied der Heimischen Werkstätten in Bozen war er verantwortlich für die Förderung echter Volkskunst und für die einwandfreie gestalterische Qualität der angebotenen Produkte. Erwähnenswert ist auch seine jahrelange Arbeit bei der Gestaltung der Südtiroler Gemeindewappen, die er in einem eigenen Bildband veröffentlicht hat. Zu seinem überwältigenden Leistungsvermögen beigetragen hat sicherlich eine eiserne und beneidenswerte Gesundheit, die dem Künstler bis zum heutigen Tag eine einmalige geistige Frische und körperliche Rüstigkeit beschieden hat.